Bei der Kommunikation mit unseren arabischen Gästen fällt seit geraumer Zeit eine Entwicklung auf, auf die hinzuweisen mir wert erscheint: Wir bemerken nämlich das Verschwinden eines sprachlichen Phänomens, dessen Ursprung ungewiss ist. Die Rede ist vom arabischen Imperativ: jener Befehlsform nämlich, welche die Kommunikation zwischen Österreichern und Arabern vor allem in den ersten Jahren massiv beeinträchtigt hat. Der arabische Imperativ trat vor allem in den folgenden Gesprächseröffnungen auf: "Give me", "tell me", "bring me" und "show me". Nahezu jeder Satzanfang enthielt eine dieser Varianten und machte so den weiteren Gesprächsverlauf für die österreichische Seite unangenehm. Da gab es kein Bitte und kein Danke und freilich auch keine konjunktivischen Höflichkeitsfloskeln, an die vor allem wir Österreicher so gewöhnt sind ("Entschuldigen's, gnä' Fräulein! Geh'ns bitt'schön, könnten's mir vielleicht einen Kaffee bringen, wenn's Zeit haben? Des wär fein, dank Ihnen!").
Im arabischen Englisch hieß es da ganz einfach: "Bring me coffee!". So eindeutig die Bestellung, so rauh der Ton. Das Bedienpersonal in den heimischen Kaffeehäusern bemühte sich stets darum, gesprächspädagogische Arbeit zu leisten, und so verbesserten viele die Bestellung um ein "please!", was nur selten zur Folge hatte, dass der arabische Kunde das auch nachsprach:
A: "Bring me coffee!"
B: "Please!"
A: "No, coffee!"
B: "Yes, but please! Bring me coffee, please!"
A: "I want coffee!"
B: "Please!"
A: ?!?!?
Vielfach wurde das den Gästen als reine Unhöflichkeit ausgelegt, die ihren Ursprung anscheinend darin haben soll, dass die Araber den Österreicher als eine Art Sklaven begreifen, dem es anzuschaffen gilt. Damit wurde nicht nur eine einfache Erklärung geliefert, die bloß auf die fremde Kultur verweist und damit genau gar nichts erklärt, sondern es wurden gleichzeitig auch willkommene Parallelen zu anderen Gästen, etwa den russischen gezogen. Gemeinsamer Nenner war da also die Arroganz der neureichen Völker, die uns in einer Art touristischen Feldzug zu Ausgebeuteten machen, weil uns ihr Geld mehr wert ist als ihnen selbst. Soweit, so gut - aber auch so unzureichend.
Denn wie erklärt es sich dann, dass der arabische Imperativ in den letzten Jahren zu einer Art gefährdeten Spezies geworden ist? Warum kommen mir immer mehr Zeller und Zellerinnen unter, die von den "überaus freundlichen Arabern" berichten, die höflichst (fast schon österreichisch) eine Auskunft erbeten, um sich dann ebenso überschwänglich zu bedanken?
Aus "Tell me! Where is lake?" wurde so etwas: "Hello, my friend, how are you? Excuse me, can you tell me where can I find the lake?" (je nach Sprachfähigkeit, versteht sich!)
Irgendwer muss es den Gästen gesagt haben, dass ein "Please" bei uns gern gehört wird. Oder es ist schlicht eine Generationenfrage, denn man sieht allein schon am Satzbau und am verwendeten Wortschatz, dass die umständlichere und höflichere Formulierung meist von solchen Arabern verwendet wird, deren Englisch zumindest passabel ist.
Die Zwischenform, jenes Vehikel, das die Kommunikation vom arabischen Imperativ zum "arabischen Schmäh" (wie ich die neue Form der Anrede nennen möchte, weil sie schon teils groteske Züge trägt) ist das gute, alte "Excuse me!". Dieses pseudohöfliche Zwitterwesen diente und dient noch als Phrase, um die Aufmerksamkeit des Angesprochenen auf sich zu lenken. Kaffeehauskellner können wohl ein Lied davon singen, wie sie zwischen lauter "Excuse me!"-rufenden Arabern umherspringen mussten und es teilweise immer noch müssen.
Der ersten Urlaubergeneration war das "Excuse me!" rein als sprachliches Mittel bekannt, mit dem man sich bemerkbar machen kann. Mit Höflichkeit hatte es noch wenig zu tun. Erst, als die Araber dahinterkamen, dass wir es gerne haben, wenn man Bitte und Danke sagt, erlangte das "Excuse me!" auch die Bedeutung einer höflicheren Gesprächseröffnung, als gleich per arabischen Imperativ mit der Tür ins Haus zu fallen. Dennoch: Es war nie gemeint, dass man sich tatsächlich für irgendetwas entschuldigte (wofür auch?). Und so schnell lässt sich das "Excuse me!" auch nicht aus dem Sprachgebrauch vertreiben, funktioniert es ja noch allzu gut. Erstens, weil es als sprachliches Mittel zur Gesprächseröffnung anerkannt ist; und zweitens, weil man doch niemandem böse sein kann, der sich erst einmal entschuldigt für alles, was noch kommen mag.
Sei es also eine reiseerfahrenere Generation, deren Englisch besser ist als das ihrer Eltern, die den arabischen Imperativ zum Verschwinden gebracht hat, oder sei es die bloße Einsicht (oder die Information durch jemand Dritten), dass man mit gebrüllten Befehlen nicht so weit kommt wie mit höflichem Fragen: Die Tage, an denen ein grimmig dreinschauender Araber mit einem "Give me umbrella!" einen Regenschirm verlangt, dürften wohl - bis auf wenige Ausnahmen - gezählt sein. Das Zauberwort heißt Information!
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Montag, 3. August 2015
Dienstag, 27. Mai 2014
Hot Milk
Folgende Begebenheit illustriert wunderbar die sprachlichen Probleme, die man mit arabischen Gästen haben kann. Viele sind des Englischen nicht oder nur ungenügend mächtig und so werden selbst die einfachsten Anfragen oft zu mühseligen Angelegenheiten. Dass in vielen Fällen ausgerechnet die Frauen als Helfer in der Not einspringen müssen, erfüllt mich persönlich immer wieder mit Genugtuung. In diesem Fall kam das so:
Am Frühstücksbuffet
Der Araber starrt unsicher in den Krug mit der kalten Milch. Hilfesuchend sieht er sich um.
"Can I help you?", frage ich. Er deutet auf den Krug und sagt "Milk! milk?!"
"Yes, it's milk", versuche ich seine Zweifel zu zerstreuen. Der Araber macht eine abwehrende Handbewegung. Dann scheint er mit einer Hand die Milch durchzustreichen.
"No milk?", frage ich verunsichert. "Yes, yes!" und wieder streicht er die Milch durch. Dann hebt er mit einer Hand die Milch etwas an und lässt die Handfläche der anderen mysteriös unter der Kanne kreisen. Es sieht aus als wollte er dem Krug etwas Zauberhaftes entlocken.
"Warm milk?", rate ich und imitiere seine Handbewegungen zaghaft. Der Araber sieht mich verstört an. Anscheinend habe ich jetzt etwas ganz Falsches gesagt.
"No, no, but..." sagt er und beschwört wieder den Krug. Ich möchte ihm ja wirklich helfen, doch ein Teil von mir wartet bereits darauf, dass die Milch auf die Handbewegungen des Arabers in irgendeiner Weise reagiert. So starren wir gemeinsam auf den Milchkrug und wissen nicht weiter.
Da kommt mir die Idee mit den Synonymen: "Hot milk? Warm milk? ... Milk warm, hot? ... Boil? ... Heat?", frage ich, während meinen Händen die absurdesten Gesten einfallen. So bilde ich mit meinen Fingern züngelnde Flammen nach, drehe an imaginären Gashähnen und schüttle die Hände als hätte ich sie mir gerade verbrüht.
Der Araber schaut entsetzt. - "Milk different?", erkundigt er sich und es klingt als frage er nach meiner geistigen Gesundheit.
"You want different milk? What milk? This is normal milk. You want soy milk? Low-fat milk?" - ich werde immer aufgeregter. Nicht, dass ich ihm mit Soja- oder Halbfettmilch dienen könnte, aber momentan interessiert mich einfach, was mir der Mensch mit seinen seltsamen Anstalten zu verstehen geben möchte.
Er wirkt etwas verzagt, sieht sich wieder hilfesuchend um; draußen sitzt seine Frau auf der Terrasse. Er deutet mir zu warten, lächelt schuldbewusst und verschwindet zu seinem Tisch. Ich bleibe stehen und untersuche inzwischen die Milch nach etwaigen Mängeln. Doch es scheint alles in Ordnung zu sein.
Der Araber kommt zurück und versucht es noch einmal: "Milk! I need milk milk!"
"Milk milk?", imitiere ich seine Babysprache belustigt.
"This milk, different!", und wieder beschwört er die Kanne. Er kann eigentlich nur warme Milch meinen, und schon drehe ich mich um, um dem armen Araber warme Milch zu holen, da sagt er "Wait!" und deutet mir, mitzukommen.
Ich folge ihm auf die Terrasse, doch kurz vor seinem Tisch zeigt er mir an, dass ich stehen bleiben solle. Er spricht aufgeregt mit seiner Frau. Dann ruft er mir etwas auf Arabisch zu. Ich hebe meine Augenbrauen und sehe beide abwechselnd fragend an. Schließlich gibt er auf, winkt mich an den Tisch und deutet vielsagend auf seine Frau.
"Hot milk, please!", murmelt diese unter ihrem Schleier hervor und in ihrer Stimme meine ich ein Lächeln zu hören, welches ich natürlich nicht sehen kann. Ich drehe mich triumphierend zu ihrem Mann und wiederhole: "Hot milk, you see! Warm milk! Hot milk!" Er nickt heftig mit dem Kopf, als hätte er nie irgendetwas anderes gesagt.
Erleichtert springe ich davon, und als ich wieder an ihren Tisch komme, wiederhole ich: "Hot milk! Warm milk!" - "Yes, yes!" nickt der Araber und lacht, weil er wohl wieder eine neue Vokabel gelernt hat.
Die Meinung seiner Frau zu diesem Thema kann ich nur vermuten, aber ich denke, sie hat sich gefreut, dass sie mit ihren Englischkenntnissen das Frühstück ein wenig gelungener gestalten konnte. Ob sich ihr Mann für sein schlechtes Englisch geschämt hat? Ich bezweifle es...
Am Frühstücksbuffet
Der Araber starrt unsicher in den Krug mit der kalten Milch. Hilfesuchend sieht er sich um.
"Can I help you?", frage ich. Er deutet auf den Krug und sagt "Milk! milk?!"
"Yes, it's milk", versuche ich seine Zweifel zu zerstreuen. Der Araber macht eine abwehrende Handbewegung. Dann scheint er mit einer Hand die Milch durchzustreichen.
"No milk?", frage ich verunsichert. "Yes, yes!" und wieder streicht er die Milch durch. Dann hebt er mit einer Hand die Milch etwas an und lässt die Handfläche der anderen mysteriös unter der Kanne kreisen. Es sieht aus als wollte er dem Krug etwas Zauberhaftes entlocken.
"Warm milk?", rate ich und imitiere seine Handbewegungen zaghaft. Der Araber sieht mich verstört an. Anscheinend habe ich jetzt etwas ganz Falsches gesagt.
"No, no, but..." sagt er und beschwört wieder den Krug. Ich möchte ihm ja wirklich helfen, doch ein Teil von mir wartet bereits darauf, dass die Milch auf die Handbewegungen des Arabers in irgendeiner Weise reagiert. So starren wir gemeinsam auf den Milchkrug und wissen nicht weiter.
Da kommt mir die Idee mit den Synonymen: "Hot milk? Warm milk? ... Milk warm, hot? ... Boil? ... Heat?", frage ich, während meinen Händen die absurdesten Gesten einfallen. So bilde ich mit meinen Fingern züngelnde Flammen nach, drehe an imaginären Gashähnen und schüttle die Hände als hätte ich sie mir gerade verbrüht.
Der Araber schaut entsetzt. - "Milk different?", erkundigt er sich und es klingt als frage er nach meiner geistigen Gesundheit.
"You want different milk? What milk? This is normal milk. You want soy milk? Low-fat milk?" - ich werde immer aufgeregter. Nicht, dass ich ihm mit Soja- oder Halbfettmilch dienen könnte, aber momentan interessiert mich einfach, was mir der Mensch mit seinen seltsamen Anstalten zu verstehen geben möchte.
Er wirkt etwas verzagt, sieht sich wieder hilfesuchend um; draußen sitzt seine Frau auf der Terrasse. Er deutet mir zu warten, lächelt schuldbewusst und verschwindet zu seinem Tisch. Ich bleibe stehen und untersuche inzwischen die Milch nach etwaigen Mängeln. Doch es scheint alles in Ordnung zu sein.
Der Araber kommt zurück und versucht es noch einmal: "Milk! I need milk milk!"
"Milk milk?", imitiere ich seine Babysprache belustigt.
"This milk, different!", und wieder beschwört er die Kanne. Er kann eigentlich nur warme Milch meinen, und schon drehe ich mich um, um dem armen Araber warme Milch zu holen, da sagt er "Wait!" und deutet mir, mitzukommen.
Ich folge ihm auf die Terrasse, doch kurz vor seinem Tisch zeigt er mir an, dass ich stehen bleiben solle. Er spricht aufgeregt mit seiner Frau. Dann ruft er mir etwas auf Arabisch zu. Ich hebe meine Augenbrauen und sehe beide abwechselnd fragend an. Schließlich gibt er auf, winkt mich an den Tisch und deutet vielsagend auf seine Frau.
"Hot milk, please!", murmelt diese unter ihrem Schleier hervor und in ihrer Stimme meine ich ein Lächeln zu hören, welches ich natürlich nicht sehen kann. Ich drehe mich triumphierend zu ihrem Mann und wiederhole: "Hot milk, you see! Warm milk! Hot milk!" Er nickt heftig mit dem Kopf, als hätte er nie irgendetwas anderes gesagt.
Erleichtert springe ich davon, und als ich wieder an ihren Tisch komme, wiederhole ich: "Hot milk! Warm milk!" - "Yes, yes!" nickt der Araber und lacht, weil er wohl wieder eine neue Vokabel gelernt hat.
Die Meinung seiner Frau zu diesem Thema kann ich nur vermuten, aber ich denke, sie hat sich gefreut, dass sie mit ihren Englischkenntnissen das Frühstück ein wenig gelungener gestalten konnte. Ob sich ihr Mann für sein schlechtes Englisch geschämt hat? Ich bezweifle es...
Mittwoch, 14. Mai 2014
Sepp Rasser
Nicht tatsächlich so passiert, aber es könnte durchaus so gewesen sein. Da wir uns mit den Arabern über die englische Sprache verständigen, treten mitunter beiderseitige Verständnisschwierigkeiten auf, die oft auch mit der Aussprache zu tun haben...
„Sepp Rasser? I don't know a Sepp Rasser! I am Moslechner!“ Der Mann, der das sagt, fuchtelt abwehrend mit den Händen als wolle er mit dieser ganzen Sache am liebsten gar nichts zu tun haben. Der arabische Kunde beugt sich etwas über den Ladentisch, als habe er das Fuchteln als Einladung zum Näherkommen verstanden: „But man next door tell me you are Sepp Rasser!“
Der vermeintliche Sepp Rasser steht jetzt ganz an der Wand seines kleinen Trachtengeschäfts. Dort, an der Wand hinter der Kassa, hängen einige Kinderlederhosen und -dirndln. Würde man ihn fotografieren, mit seinem lichten Schnauzbart und den kleinen schwarzen Augen, sähe der Mann jetzt aus wie ein belgischer Pädophiler auf Alpenurlaub. Dem Araber fällt so etwas natürlich nicht auf. „You have dress for girrl?“ fragt er, noch eindringlicher als er vorher nach Sepp Rasser gefragt hat. Nun dringt aus dem hinteren des Raums ein hektisches Abrakadabra. Eine der fünf Frauen hält ein Dirndl hoch und es sieht aus, als würde sie damit anzeigen, dass sie es war, die geredet hat. Für den Sepp Rasser hinter dem Ladentisch wäre das nämlich nicht zu erkennen gewesen, tragen doch alle Frauen einen Schleier vor dem Gesicht.
Wütend dreht sich der Araber um und schreit irgendetwas in Richtung seiner Frau. Er scheint beleidigt zu sein, dass die Frau zuerst gefunden hat, wonach sie gesucht haben. „You show!“ sagt er zum Sepp Rasser, der eigentlich Moslechner Alois heißt, und zeigt dabei auf ihn. Ängstlich kommt der Alois aus seiner Ecke hervor und wuselt hinter dem Araber her. Drei Kleinkinder haben begonnen, die kleinen Stoffmurmeltiere, die pfeifen, wenn man sie drückt, zu betätigen. Indessen sind die arabischen Frauen in aufgeregtes Geplapper verfallen. Nacheinander werden alle Dirndln herausgezogen, die der Alois in seinem nicht allzu großen Geschäft hängen hat. Das Pfeifen der Plüschmanggerl sticht dem Alois schon in den Ohren als einer der drei Buben – oder ein vierter? - auch noch die Kuhglocken findet, die der Moslechner Alois schon seit den frühen 80ern im Geschäft hängen hat, und die sich damals noch gut verkauft haben; bis der Markt eben irgendwann gesättigt war, oder die Leute begriffen haben, dass sie mit einer Kuhglocke daheim im Grunde gar nichts anfangen können und dass auch das ästhetische Wohlempfinden beim Anblick einer solchen nur eine kurze Halbwertszeit hat.
Das Gebimmle, Gepfeife und Geplapper muss der Alois jetzt dulden, denn er ist schon längst nicht mehr Herr über seinen Laden. „What price for this?“ fragt der Araber streng, und der Alois greift schnell nach dem Preisschild. Es hat ihm vor ein paar Tagen jemand gesagt, dass Araber gut Ziffern lesen können, weil wir die von ihnen gelernt haben. Seitdem zeigt der Loisl den arabischen Gästen immer nur Preisschilder, um Missverständnissen vorzubeugen. Ein anderer Araber, der an einer kleineren Kuhglocke interessiert gewesen war, hat ihn zum Beispiel einmal nach dem Preis gefragt. Da hat der Loisl die Kuhglocken noch nicht beschriftet gehabt und dem Araber gesagt „Thirty two!“, worauf der Araber entgegnete: „Aha! But I only want one! So one fifteen?“ Der Rest des Gesprächs verlief nur weniger umständlich und nötigte den Alois dann ohnehin dazu, den Preis auf einen Zettel zu schreiben.
Der Araber inspiziert das Preisschild des Dirndls; auch die Frauen schauen neugierig darauf, während im Hintergrund weiter die Murmeltiere pfeifen und die Kuhglocken bimmeln. Als das Bimmeln aufhört, wird der Loisl misstrauisch und schaut kurz über seine Schulter. Eines der Kinder hat sich einen Filzhut aufgesetzt und rennt damit bei der Tür hinaus. Auch der arabische Vater merkt, was passiert ist und lässt einen lauten Fluch los. Sofort erscheint der Bub wieder in der Türe. „What price for hat?“ Der Loisl stürmt zum Hutregal, kommt mit einem Filzhut zurück und hält ihn dem Araber vor die Nase. „I buy“, sagt der Araber kurz und deutet dabei auf seinen Sohn. Auch die anderen beiden haben nun von den Murmeltieren gelassen und drehen jetzt an den Postkartenständern. Wieder sagt eine der Frauen etwas, wieder kann der Loisl nicht ausmachen, welche es gewesen ist.
Der Araber deutet auf das Dirndl, zieht die Augenbrauen hoch und sagt: „Discount!“ - Es ist keine Frage. Der Moslechner Alois antwortet: „No discount“, und klingt dabei fragend. „But I buy hat!“ sagt der Araber aufgebracht. - „Yes, but no, but...“ Wieder flucht der Araber etwas und die Frauen brechen in erneutes Gegacker aus. „You don't give discount?“, die Stimme klingt jetzt sanfter. „I don't have discount!“ entgegnet der Moslechner entschuldigend. „But you can give discount, no?“ - diese Frage verwirrt den Alois jetzt.
„No discount!“, sagt er mit Nachdruck. Der Araber brummt. „I take this and hat“, sagt er und hält ihm eines von den Dirndln hin. Der Moslechner Alois nimmt das Dirndl, wundert sich darüber, wie jemand ein Dirndl kaufen kann, ohne es vorher anzuprobieren, entschließt sich aber dazu, lieber keine weiteren Fragen zu stellen.
Wieder pfeift ein Murmeltier. Einer der Buben hat das Interesse an dem Postkartenständer verloren und ist zurück zu den Plagegeistern. „What's this?“ fragt der Araber und deutet Richtung Murmeltiere. „Äh... a Manggei!“ sagt der Loisl in Ermangelung der passenden englischen Vokabel. „Is animal, ha? Live here?“ - Der Araber scheint auf dem richtigen Weg zu sein, deswegen nickt der Loisl heftig. „I take!“ sagt der Kunde und schreit etwas Grimmiges, worauf der kleine arabische Junge mit dem Murmeltier zur Kassa gelaufen kommt. „So I take this, this and hat. No discount, ha?“, auf dem Gesicht des Arabers zeigt sich ein fast ironisches Lächeln. Da muss der Loisl blöd grinsen und lacht: „No discount!“, worauf sich das Gesicht des Arabers gleich wieder verfinstert. Der Postkartenständer quietscht und taumelt unter den immer wilder werdenden Drehungen, die er, angetrieben von den Händen des kleinen Arabers, zu vollführen hat.
Als der Loisl das Geld des Arabers nimmt, klatscht ein Päckchen Ansichtskarten auf den Boden. Der Vater stürmt zum Postkartenständer, hält diesen abrupt an, worauf sich weitere zwei Päckchen auf dem Boden verteilen. Laut fluchend scheucht er das Kind aus dem Laden. „I am sorry!“, sagt der Araber, „no, passt scho!“ der Loisl.
Nach Erledigung des Zahlungsgeschäftes fragt der Kunde noch ein letztes Mal „You are not Sepp Rasser, no?“ und lacht ein bisschen. Gut aufgelegt, weil er ein gutes Geschäft gemacht hat und die scheinbare Bedrohung dabei ist, sich zu verziehen, sagt der Loisl erleichtert: „No, I am not Sepp Rasser.“ - „But man next door say you Sepp Rasser!“ Der Araber wirkt verwirrt und auch der Loisl schaut sein Gegenüber verblüfft an. „I was talking to man next door. I ask who sell Austrian dress for women. He tell me: Sepp Rasser!“ (Tatsächlich ist es nämlich so, dass der Bruder vom Moslechner Alois, der Moslechner Rupert, gleich nebenan ein Spezialitätengeschäft führt.)
Der Araber fährt in seiner umständlichen Erklärung fort: „I tell him I want to go to Moslecker! He say that he is Moslecker, but for dress I have to go to Sepp Rasser! And he show me to go in here!“ Nun ging dem Moslechner Alois ein Licht auf. Der Araber wurde wohl wegen eines Dirndls zum „Moslechner“ geschickt und landete – durchaus folgerichtig – im Geschäft seines Bruders. Da es in einem Spezialitätengeschäft aber keine Dirndln gab, sondern nur Schweinsbäuche und ähnliches, für Araber ganz und gar unbrauchbares, musste der Bruder den Araber wohl zu ihm herein geschickt haben!
In diesem Moment erscheint der Moslechner Rupert grinsend in der Tür. Der Araber deutet auf ihn und scheint vergnügt: „Look, this man send me here!“, sagt er aufgeregt. Der Rupert kommt in den Laden herein, deutet auf den Loisl und sagt: „Ah, ei sie ju faund mei Brasser!“
Der Araber fragt: „This is Sepp Rasser?“ - „Yes!“, sagt der Rupert und legt stolz den Arm um seinen Bruder: „dis is mei Brasser!“
„See!“, ruft der Araber stolz und schaut den Alois in der überzeugendsten Weise an: „You are Sepp Rasser! But why you call yourself Moslecker?“
Auch der Rest dieses Gesprächs verlief wieder einmal nicht unkompliziert...
„Sepp Rasser? I don't know a Sepp Rasser! I am Moslechner!“ Der Mann, der das sagt, fuchtelt abwehrend mit den Händen als wolle er mit dieser ganzen Sache am liebsten gar nichts zu tun haben. Der arabische Kunde beugt sich etwas über den Ladentisch, als habe er das Fuchteln als Einladung zum Näherkommen verstanden: „But man next door tell me you are Sepp Rasser!“
Der vermeintliche Sepp Rasser steht jetzt ganz an der Wand seines kleinen Trachtengeschäfts. Dort, an der Wand hinter der Kassa, hängen einige Kinderlederhosen und -dirndln. Würde man ihn fotografieren, mit seinem lichten Schnauzbart und den kleinen schwarzen Augen, sähe der Mann jetzt aus wie ein belgischer Pädophiler auf Alpenurlaub. Dem Araber fällt so etwas natürlich nicht auf. „You have dress for girrl?“ fragt er, noch eindringlicher als er vorher nach Sepp Rasser gefragt hat. Nun dringt aus dem hinteren des Raums ein hektisches Abrakadabra. Eine der fünf Frauen hält ein Dirndl hoch und es sieht aus, als würde sie damit anzeigen, dass sie es war, die geredet hat. Für den Sepp Rasser hinter dem Ladentisch wäre das nämlich nicht zu erkennen gewesen, tragen doch alle Frauen einen Schleier vor dem Gesicht.
Wütend dreht sich der Araber um und schreit irgendetwas in Richtung seiner Frau. Er scheint beleidigt zu sein, dass die Frau zuerst gefunden hat, wonach sie gesucht haben. „You show!“ sagt er zum Sepp Rasser, der eigentlich Moslechner Alois heißt, und zeigt dabei auf ihn. Ängstlich kommt der Alois aus seiner Ecke hervor und wuselt hinter dem Araber her. Drei Kleinkinder haben begonnen, die kleinen Stoffmurmeltiere, die pfeifen, wenn man sie drückt, zu betätigen. Indessen sind die arabischen Frauen in aufgeregtes Geplapper verfallen. Nacheinander werden alle Dirndln herausgezogen, die der Alois in seinem nicht allzu großen Geschäft hängen hat. Das Pfeifen der Plüschmanggerl sticht dem Alois schon in den Ohren als einer der drei Buben – oder ein vierter? - auch noch die Kuhglocken findet, die der Moslechner Alois schon seit den frühen 80ern im Geschäft hängen hat, und die sich damals noch gut verkauft haben; bis der Markt eben irgendwann gesättigt war, oder die Leute begriffen haben, dass sie mit einer Kuhglocke daheim im Grunde gar nichts anfangen können und dass auch das ästhetische Wohlempfinden beim Anblick einer solchen nur eine kurze Halbwertszeit hat.
Das Gebimmle, Gepfeife und Geplapper muss der Alois jetzt dulden, denn er ist schon längst nicht mehr Herr über seinen Laden. „What price for this?“ fragt der Araber streng, und der Alois greift schnell nach dem Preisschild. Es hat ihm vor ein paar Tagen jemand gesagt, dass Araber gut Ziffern lesen können, weil wir die von ihnen gelernt haben. Seitdem zeigt der Loisl den arabischen Gästen immer nur Preisschilder, um Missverständnissen vorzubeugen. Ein anderer Araber, der an einer kleineren Kuhglocke interessiert gewesen war, hat ihn zum Beispiel einmal nach dem Preis gefragt. Da hat der Loisl die Kuhglocken noch nicht beschriftet gehabt und dem Araber gesagt „Thirty two!“, worauf der Araber entgegnete: „Aha! But I only want one! So one fifteen?“ Der Rest des Gesprächs verlief nur weniger umständlich und nötigte den Alois dann ohnehin dazu, den Preis auf einen Zettel zu schreiben.
Der Araber inspiziert das Preisschild des Dirndls; auch die Frauen schauen neugierig darauf, während im Hintergrund weiter die Murmeltiere pfeifen und die Kuhglocken bimmeln. Als das Bimmeln aufhört, wird der Loisl misstrauisch und schaut kurz über seine Schulter. Eines der Kinder hat sich einen Filzhut aufgesetzt und rennt damit bei der Tür hinaus. Auch der arabische Vater merkt, was passiert ist und lässt einen lauten Fluch los. Sofort erscheint der Bub wieder in der Türe. „What price for hat?“ Der Loisl stürmt zum Hutregal, kommt mit einem Filzhut zurück und hält ihn dem Araber vor die Nase. „I buy“, sagt der Araber kurz und deutet dabei auf seinen Sohn. Auch die anderen beiden haben nun von den Murmeltieren gelassen und drehen jetzt an den Postkartenständern. Wieder sagt eine der Frauen etwas, wieder kann der Loisl nicht ausmachen, welche es gewesen ist.
Der Araber deutet auf das Dirndl, zieht die Augenbrauen hoch und sagt: „Discount!“ - Es ist keine Frage. Der Moslechner Alois antwortet: „No discount“, und klingt dabei fragend. „But I buy hat!“ sagt der Araber aufgebracht. - „Yes, but no, but...“ Wieder flucht der Araber etwas und die Frauen brechen in erneutes Gegacker aus. „You don't give discount?“, die Stimme klingt jetzt sanfter. „I don't have discount!“ entgegnet der Moslechner entschuldigend. „But you can give discount, no?“ - diese Frage verwirrt den Alois jetzt.
„No discount!“, sagt er mit Nachdruck. Der Araber brummt. „I take this and hat“, sagt er und hält ihm eines von den Dirndln hin. Der Moslechner Alois nimmt das Dirndl, wundert sich darüber, wie jemand ein Dirndl kaufen kann, ohne es vorher anzuprobieren, entschließt sich aber dazu, lieber keine weiteren Fragen zu stellen.
Wieder pfeift ein Murmeltier. Einer der Buben hat das Interesse an dem Postkartenständer verloren und ist zurück zu den Plagegeistern. „What's this?“ fragt der Araber und deutet Richtung Murmeltiere. „Äh... a Manggei!“ sagt der Loisl in Ermangelung der passenden englischen Vokabel. „Is animal, ha? Live here?“ - Der Araber scheint auf dem richtigen Weg zu sein, deswegen nickt der Loisl heftig. „I take!“ sagt der Kunde und schreit etwas Grimmiges, worauf der kleine arabische Junge mit dem Murmeltier zur Kassa gelaufen kommt. „So I take this, this and hat. No discount, ha?“, auf dem Gesicht des Arabers zeigt sich ein fast ironisches Lächeln. Da muss der Loisl blöd grinsen und lacht: „No discount!“, worauf sich das Gesicht des Arabers gleich wieder verfinstert. Der Postkartenständer quietscht und taumelt unter den immer wilder werdenden Drehungen, die er, angetrieben von den Händen des kleinen Arabers, zu vollführen hat.
Als der Loisl das Geld des Arabers nimmt, klatscht ein Päckchen Ansichtskarten auf den Boden. Der Vater stürmt zum Postkartenständer, hält diesen abrupt an, worauf sich weitere zwei Päckchen auf dem Boden verteilen. Laut fluchend scheucht er das Kind aus dem Laden. „I am sorry!“, sagt der Araber, „no, passt scho!“ der Loisl.
Nach Erledigung des Zahlungsgeschäftes fragt der Kunde noch ein letztes Mal „You are not Sepp Rasser, no?“ und lacht ein bisschen. Gut aufgelegt, weil er ein gutes Geschäft gemacht hat und die scheinbare Bedrohung dabei ist, sich zu verziehen, sagt der Loisl erleichtert: „No, I am not Sepp Rasser.“ - „But man next door say you Sepp Rasser!“ Der Araber wirkt verwirrt und auch der Loisl schaut sein Gegenüber verblüfft an. „I was talking to man next door. I ask who sell Austrian dress for women. He tell me: Sepp Rasser!“ (Tatsächlich ist es nämlich so, dass der Bruder vom Moslechner Alois, der Moslechner Rupert, gleich nebenan ein Spezialitätengeschäft führt.)
Der Araber fährt in seiner umständlichen Erklärung fort: „I tell him I want to go to Moslecker! He say that he is Moslecker, but for dress I have to go to Sepp Rasser! And he show me to go in here!“ Nun ging dem Moslechner Alois ein Licht auf. Der Araber wurde wohl wegen eines Dirndls zum „Moslechner“ geschickt und landete – durchaus folgerichtig – im Geschäft seines Bruders. Da es in einem Spezialitätengeschäft aber keine Dirndln gab, sondern nur Schweinsbäuche und ähnliches, für Araber ganz und gar unbrauchbares, musste der Bruder den Araber wohl zu ihm herein geschickt haben!
In diesem Moment erscheint der Moslechner Rupert grinsend in der Tür. Der Araber deutet auf ihn und scheint vergnügt: „Look, this man send me here!“, sagt er aufgeregt. Der Rupert kommt in den Laden herein, deutet auf den Loisl und sagt: „Ah, ei sie ju faund mei Brasser!“
Der Araber fragt: „This is Sepp Rasser?“ - „Yes!“, sagt der Rupert und legt stolz den Arm um seinen Bruder: „dis is mei Brasser!“
„See!“, ruft der Araber stolz und schaut den Alois in der überzeugendsten Weise an: „You are Sepp Rasser! But why you call yourself Moslecker?“
Auch der Rest dieses Gesprächs verlief wieder einmal nicht unkompliziert...
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