Dienstag, 11. August 2015

Gewöhnungseffekte

"Schau de Arawa on", gurrt der Herr mittleren Alters, der jeden Tag in der Fußgängerzone seine gespritzten Weißweine trinkt als wären sie Quellwasser. "So schod, dass eanane Weiwa vasteckn."
"Mhm", macht der andere Herr, der die Passion seines Gegenübers teilt. Das anregende Gespräch entfaltet sich in einem heiteren Reigen weinseliger Resignation:

"Und Fockn sands a, de Arawa", weiß der erste zu berichten.
"Jojo", sagt der andere.
"Autofoan kennans a nid, de Deppn"
"Na eh!"
"Kinda homms wia Flech! Owa eh kloa, de zoin a koane Steian!"
"Hmm!"
"Oaweitn tans oi as Kamötreiwa"
"Hmpf!"
"Und insane Schafin tadns am liabstn ausbliatn lossn!"
"Ageh!"
"Und grühn tadnsas am Balkon oda im Hotözimma!"
"Ho i scho gheat!"
"Und bettn tans am höichtn Toug mittn auf da Stroß!"
"A grausig!"
"An gonzn Toug im Bett liegn tans! Faul sands! Und auf d'Nocht stengans erscht auf!"
"A Luadavoik, a elentigs!"
"Nocha foans aufn Beag und do sitzns nua deppat do und schaund owi. Nid amoi wondan gengans!"
"Na oag!"
"Oda schwimma. Deafns jo nid. De gangatn jo unta med eanane Kaftan!"
"Jo, direkt owisaugn tats es!"
"Mit de Kuttn, dassma nix siagg. So schod. Wei fesche Weiwa hatatns scho!"
"Jo eh!"
"Unta de Kuttn homms as schenste Gwond!"
"Ah schau!"
"Und eikaffn tanns wia de Deppatn! De Gscheftsleit homm a Recht a Freid!"
"Aso?"
"Jo na, eh. San eh guat fiad d'Wirtschoft, woast scho?"
"Jojo, d'Wirtschoft!"
"Owa heapassn tans hoid a nid."
"Na üwahaupp nid."
"Und as Schlimmste, woast wos des Schlimmste is?"
"Wos eppa?"
"Saufn tans nix!"
"Ageh?!"
"Na, gou nix. Und wenn mia bei eana unt waratn, deafat ma a nix sauffn!"
"Sackra!"
"Des is a koa Lem nid!"
"Na, g'wiss nid!"
"Owa do mechat i a nia hi. Do is nua hoas und üwaroi nua Sondt"
"Wia in Italien!"
"Na, in Italien moggst wenigstens sauffn!"
"Ajo!"
"Na und Urlaub is des a koana fia de: An gonzn Tog nix doa!"
"Und nid amoi sauffn!"
"Koa Wunda, dass deanan fad weaschd!"
"So wia ins!"
"Wia ins? Ins is a nid fad!"
"Ajo! Mia sauffnd jo!"
"Sixtes!"

Zufrieden bestellen die beiden noch einen Spritzwein und sorgen so dafür, dass dem heimischen Gastgewerbe im Sommer nicht gänzliche die Luft ausgeht.

Montag, 3. August 2015

Der arabische Imperativ

Bei der Kommunikation mit unseren arabischen Gästen fällt seit geraumer Zeit eine Entwicklung auf, auf die hinzuweisen mir wert erscheint: Wir bemerken nämlich das Verschwinden eines sprachlichen Phänomens, dessen Ursprung ungewiss ist. Die Rede ist vom arabischen Imperativ: jener Befehlsform nämlich, welche die Kommunikation zwischen Österreichern und Arabern vor allem in den ersten Jahren massiv beeinträchtigt hat. Der arabische Imperativ trat vor allem in den folgenden Gesprächseröffnungen auf: "Give me", "tell me", "bring me" und "show me". Nahezu jeder Satzanfang enthielt eine dieser Varianten und machte so den weiteren Gesprächsverlauf für die österreichische Seite unangenehm. Da gab es kein Bitte und kein Danke und freilich auch keine konjunktivischen Höflichkeitsfloskeln, an die vor allem wir Österreicher so gewöhnt sind ("Entschuldigen's, gnä' Fräulein! Geh'ns bitt'schön, könnten's mir vielleicht einen Kaffee bringen, wenn's Zeit haben? Des wär fein, dank Ihnen!").

Im arabischen Englisch hieß es da ganz einfach: "Bring me coffee!". So eindeutig die Bestellung, so rauh der Ton. Das Bedienpersonal in den heimischen Kaffeehäusern bemühte sich stets darum, gesprächspädagogische Arbeit zu leisten, und so verbesserten viele die Bestellung um ein "please!", was nur selten zur Folge hatte, dass der arabische Kunde das auch nachsprach:

A: "Bring me coffee!"
B: "Please!"
A: "No, coffee!"
B: "Yes, but please! Bring me coffee, please!"
A: "I want coffee!"
B: "Please!"
A: ?!?!?

Vielfach wurde das den Gästen als reine Unhöflichkeit ausgelegt, die ihren Ursprung anscheinend darin haben soll, dass die Araber den Österreicher als eine Art Sklaven begreifen, dem es anzuschaffen gilt. Damit wurde nicht nur eine einfache Erklärung geliefert, die bloß auf die fremde Kultur verweist und damit genau gar nichts erklärt, sondern es wurden gleichzeitig auch willkommene Parallelen zu anderen Gästen, etwa den russischen gezogen. Gemeinsamer Nenner war da also die Arroganz der neureichen Völker, die uns in einer Art touristischen Feldzug zu Ausgebeuteten machen, weil uns ihr Geld mehr wert ist als ihnen selbst. Soweit, so gut - aber auch so unzureichend.

Denn wie erklärt es sich dann, dass der arabische Imperativ in den letzten Jahren zu einer Art gefährdeten Spezies geworden ist? Warum kommen mir immer mehr Zeller und Zellerinnen unter, die von den "überaus freundlichen Arabern" berichten, die höflichst (fast schon österreichisch) eine Auskunft erbeten, um sich dann ebenso überschwänglich zu bedanken?
Aus "Tell me! Where is lake?" wurde so etwas: "Hello, my friend, how are you? Excuse me, can you tell me where can I find the lake?" (je nach Sprachfähigkeit, versteht sich!)

Irgendwer muss es den Gästen gesagt haben, dass ein "Please" bei uns gern gehört wird. Oder es ist schlicht eine Generationenfrage, denn man sieht allein schon am Satzbau und am verwendeten Wortschatz, dass die umständlichere und höflichere Formulierung meist von solchen Arabern verwendet wird, deren Englisch zumindest passabel ist.
Die Zwischenform, jenes Vehikel, das die Kommunikation vom arabischen Imperativ zum "arabischen Schmäh" (wie ich die neue Form der Anrede nennen möchte, weil sie schon teils groteske Züge trägt) ist das gute, alte "Excuse me!". Dieses pseudohöfliche Zwitterwesen diente und dient noch als Phrase, um die Aufmerksamkeit des Angesprochenen auf sich zu lenken. Kaffeehauskellner können wohl ein Lied davon singen, wie sie zwischen lauter "Excuse me!"-rufenden Arabern umherspringen mussten und es teilweise immer noch müssen.

Der ersten Urlaubergeneration war das "Excuse me!" rein als sprachliches Mittel bekannt, mit dem man sich bemerkbar machen kann. Mit Höflichkeit hatte es noch wenig zu tun. Erst, als die Araber dahinterkamen, dass wir es gerne haben, wenn man Bitte und Danke sagt, erlangte das "Excuse me!" auch die Bedeutung einer höflicheren Gesprächseröffnung, als gleich per arabischen Imperativ mit der Tür ins Haus zu fallen. Dennoch: Es war nie gemeint, dass man sich tatsächlich für irgendetwas entschuldigte (wofür auch?). Und so schnell lässt sich das "Excuse me!" auch nicht aus dem Sprachgebrauch vertreiben, funktioniert es ja noch allzu gut. Erstens, weil es als sprachliches Mittel zur Gesprächseröffnung anerkannt ist; und zweitens, weil man doch niemandem böse sein kann, der sich erst einmal entschuldigt für alles, was noch kommen mag.

Sei es also eine reiseerfahrenere Generation, deren Englisch besser ist als das ihrer Eltern, die den arabischen Imperativ zum Verschwinden gebracht hat, oder sei es die bloße Einsicht (oder die Information durch jemand Dritten), dass man mit gebrüllten Befehlen nicht so weit kommt wie mit höflichem Fragen: Die Tage, an denen ein grimmig dreinschauender Araber mit einem "Give me umbrella!" einen Regenschirm verlangt, dürften wohl - bis auf wenige Ausnahmen - gezählt sein. Das Zauberwort heißt Information!


Samstag, 25. Juli 2015

Aufi mursi!

Bekanntlich haben unsere Gäste aus dem Morgenland eine andere Zeitwahrnehmung als wir. Nicht nur das - immer wieder verwundern sie mit eigenartigem Timing bei der Planung ihrer Aktivitäten. Beispiele dafür gibt es ja viele, nun diene aber ein exemplarisches zur Illustration der Synchronizitätsprobleme zwischen Morgen- und Abendland:

Herr A. ist geübter Selamsi-Urlauber und man sollte meinen, er wisse über die Betriebszeiten der Bergbahnen ungefähr Bescheid. Dass aber die Seilbahn nur bis 17 Uhr fährt ("five o'clock in the afternoon!?"), bereitet ihm bei jedem Nachfragen erneut die größte Überraschung. Schließlich, so scheint es, beginnt der arabische Tag nie vor vier Uhr Nachmittag und reicht bis weit in die Nacht.

Nun gut, diesmal waren es nicht die Betriebszeiten der Bahn allein, die Herrn A. Schwierigkeiten machten - oder sollte man lieber sagen "machen sollten", denn er selbst nahm wenig Anstoß daran, was jeden anderen sich eine Seilbahnfahrt gründlich überlegen ließe: Um 16 Uhr, also eine Stunde vor dem Schließen der Seilbahn, zog nämlich heftiger Sturm auf und es regnete wie aus Kübeln. Zuvor schien 7 Stunden lang die Sonne und kaum ein Wölkchen trübte die Fernsicht, die man vom Gipfel der Schmittenhöhe gehabt hätte - wäre man da schon hinaufgefahren.

Herr A. aber, nachdem er den bisherigen Tag einkaufend und auf dem Zimmer sitzend zugebracht hatte, kam um Punkt 16 Uhr an die Rezeption und fragte nach den Seilbahnzeiten. Mit einem prüfenden Blick aus dem Fenster vergewisserte ich mich, dass es draußen durchaus noch wild stürmte und Platzregen vom Himmel fiel - schließlich kann sich das Wetter in den Bergen ja minütlich ändern. Doch tatsächlich: Immer noch sintflutartiger Regen und Wind, so wild, dass ich die Blumenkisteln einzeln rumpeln zu hören glaubte.

Herr A. ließ sich durch meinen Blick aus dem Fenster von seinem Vorhaben nicht abbringen. Ich versicherte ihm jedoch, dass eine Auffahrt mit der Seilbahn am morgigen Tag lohnender wäre. Erstens, weil es nur noch eine Stunde bis zur Schließung dauere, und zweitens, weil das Wetter weder der Seilbahnfahrt selbst, noch der zu erwartenden Aussicht besonders zuträglich sei. Freilich ließ ich mich nicht zu komplizierten Erklärungen hinreißen und sagte bloß: "Tomorrow it's better!" und schickte dem zweifelnden Blick des Herren A. noch ein "trust me!" hinterher. Enttäuscht zog sich dieser wieder auf sein Zimmer zurück, um sicherlich am Balkon dem ungewohnten Naturschauspiel beizuwohnen.

Mittwoch, 27. August 2014

Der Schläfer

Irgendwas scheint falsch zu sein an der Bezeichnung "Morgenland". Ja, die Sonne geht im Osten auf, aber der Araber merkt davon bis Mittag nichts. Denn erst wenn sie am Abend wieder untergeht, wird der arabische Gast aktiv. Vielleicht ist das seine Vorstellung von Urlaub im Abendland, und er hält sich allzu akkurat daran. Vielleicht liegt es auch daran, dass man in heißen Regionen tagsüber sowieso nicht viel machen kann, und das Leben dort eher am späteren Nachmittag beginnt und dafür bis spätnachts andauert. Mit unserem Verständnis von einem Werktag können Araber jedenfalls nur wenig anfangen. So erntet man immer wieder erstaunte Blicke, wenn man den Gästen, die um 17 Uhr noch mit der Seilbahn auf den Berg fahren wollen, erklärt, selbige sei schon geschlossen. Wann diese dann morgen wieder aufsperre, möchten sie dann oft wissen. An ihren Gesichtern lässt sich erkennen, dass halb 9 keine Uhrzeit ist, die für ihre Tagesgestaltung irgendeine Relevanz besitzt.

Legt man ihnen hingegen den dreimal wöchentlich stattfindenden Seezauber ans Herz, der erst um 10 Uhr abends beginnt, erhellen sich ihre Gesichter wieder. Doch die Araber können kaum glauben, dass in einem Land, in dem es Menschen geben soll, die schon um halb acht frühstücken, in dem man nach vier Uhr nachmittags so gut wie nichts mehr zu sehen bekommt und in dem um sechs Uhr Buslinien aufhören zu fahren, dass in so einem Land es also eine Veranstaltung geben soll, die erst um 22 Uhr anfängt. "10pm?", fragen deshalb viele ungläubig. Genauso ungläubig wie manche deutschen Gäste, denen das naturgemäß zu spät ist: "Ach, erst um zehn? Ne, das schaffn'wa nich mehr!" Tja, unterschiedliche Kulturen, unterschiedliche Tagesrhythmen...

Die Schlafhungrigkeit unserer arabischen Gäste führt aber nicht nur dazu, dass viele von ihnen das Frühstück versäumen. Manch einer, der von österreichischer Marmelade und Liptauer so angetan ist, dass er sich doch vor halb 10 aus dem Bett quält, geht kurzerhand nach dem Frühstück wieder schlafen. Von einer erzieherischen Sorgfalt gepackt, ermahnt man den Gast, er solle doch zeitig aus dem Haus gehen, sonst würde er wieder zu spät zur Seilbahn kommen. "But I sleep so good!", heißt es dann entschuldigend, und da ist man dann als Vermieter ja auch wieder froh. Solange der Gast freiwillig um des Schlafes willen die Sehenswürdigkeiten auslässt, ergibt sich ja noch kein Problem. Erst, wenn er versucht, beides unter einen Hut zu bekommen, tauchen gewisse Schwierigkeiten auf.

So fragte mich ein Herr, dessen Frau tagelang alleine zum Frühstück erschienen war, weil der Göttergatte bis 14 Uhr zu schlafen pflegte, ob ich ihm ein Taxi organisieren könnte, er wolle nämlich gerne zur Eisriesenwelt nach Werfen fahren. Am Telefon sagte mir der Taxiunternehmer, dass eine solche Fahrt natürlich möglich sei, man allerdings mit sehr langen Wartezeiten rechnen müsse. Während der Hauptsaison könne es nämlich manchmal vier Stunden dauern, bis man überhaupt in die Eishöhle hinein käme. Es gelte also, die Fahrt rechtzeitig, nämlich so früh wie möglich anzutreten, weil besagte Eishöhle um fünf schließe.
Ich teilte dies dem Gast mit und betonte, mit Rücksicht auf seine speziellen Schlafgewohnheiten, besonders den Teil mit der frühen Abfahrt. "Aha", sagte dieser nur, und dass er dann wohl erst morgen diesen Ausflug werde machen können.

Am nächsten Tag wartete ich den ganzen Vormittag auf den Schläfer und war gespannt, ob er seinen Plan in die Tat umsetzen würde. Als seine Frau nach dem Frühstück wieder ins Zimmer verschwand und von ihrem Gatten auch bis Mittag nichts zu sehen war, ging ich davon aus, dass er seine Pläne wohl ad acta gelegt hatte. Umso überraschender war dann sein Auftritt um halb drei: Mit schläfrigen Augen hielt er mir das Prospekt von der Eisriesenwelt unter die Nase und sagte bloß "Call him! I want to go!". Ich unterließ sämtliche Erklärungen, sagte nur "okay" und griff zum Hörer. Der Taxiunternehmer erzählte mir wieder von den ungeheuerlichen Wartezeiten in Werfen, und dass er gerne bereit sei, einen Fahrer zu schicken, er aber dem Gast nicht garantieren könne, dass er auch tatsächlich in die Eishöhle hinein könne. Ich übersetzte das dem Gast in der Form, dass es heute unmöglich sei, nach Werfen zu fahren, weil dort derartige Menschenmassen auf den Einlass in die Eishöhle warteten, dass mit Wartezeiten von bis zu drei Stunden gerechnet werden müsse. Es sei für ihn deshalb in Anbetracht der momentanen Uhrzeit und eingerechneter Fahrzeit ein Ding der Unmöglichkeit, heute noch die Eisriesenwelt zu bestaunen.

Daraufhin blickte mich der Gast enttäusch an und fragte: "But when should I go?" Mit meiner Antwort, dass es umso besser sei, je früher man diesen Ausflug startete, war er sichtlich unzufrieden. Trotzdem versicherte er mir, sich für den morgigen Tag alle Mühe zu geben, zeitiger aufzustehen, denn er wolle unbedingt diese Eisriesenwelt besuchen.

So staunte ich nicht schlecht, als der Schläfer am nächsten Tag zwar nicht zum Frühstück erschien, aber doch um elf Uhr an der Rezeption stand und mich abermals bat, das Taxi zu rufen. Ich tat wie mir geheißen und freute mich ein bisschen für ihn, denn man sah ihm deutlich an, welch große Mühe ihm das frühe Aufstehen bereitet hatte. Als das Taxi dann vor der Türe stand und er mit seiner Frau das Haus über die Treppe hinab verließ, schien es, als müsste er sich bei ihr einhaken, so schwächlich war er aufgrund des Schlafentzugs auf den Beinen.

Das Fazit seines Ausflugs fiel dann nüchtern aus: "Very nice, but very crowded. We had to wait soo long!" Die Erleichterung aber, dass er es in die Eishöhle geschafft hatte, stand ihm doch ins Gesicht geschrieben. Da es der Tag vor seiner Abreise war, ließ er mich noch wissen: "Please, tomorrow you wake me! Call me at nine o'clock. And if I'm not down here at 9:15, knock on my door!" Sein ehrliches Bemühen rührte mich fast ein wenig und ich versprach ihm, ihn am nächsten Morgen zu wecken.

Zu meinem Erstaunen verlief die Abreise problemlos, denn tatsächlich fand sich der Schläfer um viertel nach neun an der Rezeption zum Check-Out ein. Er lobte unser Haus und die Region, sagte, es sei sein bisher schönster Urlaub gewesen, ganz besonders aber lobte er die Betten, die ihm so gute Dienste erwiesen hatten. Bei der Verabschiedung gaben wir ihm noch den Rat mit auf dem Weg, er möge doch beim nächsten Mal ein wenig früher aufstehen, dann könne er auch ein bisschen was unternehmen, schließlich habe er es während seines 6-tägigen Aufenthalts gerade einmal auf das Kitzsteinhorn geschafft und für die Eisriesenwelt ganze drei Anläufe benötigt.
Daraufhin lachte seine Frau ein Lachen, das man nur herzlich nennen kann, und schnatterte ihm etwas auf Arabisch zu, von dem wir nur zu gern gewusst hätten, was es bedeutete. Sein Gesichtsausdruck aber ließ uns in der Gewissheit zurück, dass sie uns wohl Recht gegeben hat.

Freitag, 22. August 2014

Aber, aber, der Araber!

Aber, aber, der Araber!
Der Ahmed, was macht er, was zahlt er?
Was er bei uns tut und nicht
erzählt das folgende Gedicht:


Sommers flüchten die Araber
Hammad, Faez, Abdulaziz,
nach Zell am See ins Paradies,
die Brüder warn ja auch schon da!


Hier wird der liebe Araberer
nicht ganz zu unsrem Haberer.
Zu unterschiedlich ist er schlicht:
Denn unser Bier, das mag er nicht!


Lieber trinkt er Schlangentrank,
bittren Kaffee aus dem Morgenland,
mit Karadmom und Zimt versetzt,
was freilich unsre Kultur verletzt.


Aber, aber, der Araber,
trägt ein schwarzes Kleid er gar?
Hat er Bart und trägt Sandalen,
Ja, das ist wahrlich sonderbar!


"Owe!", schreit auch der Hotelier,
"der Gast missbraucht arg mein Bidet!
Wäscht sich Füß und Händ darin,
betet dann nach Mekka hin!


Er isst am Boden mit den Händen,
so ein Wüstling, ein verkehrter!
Die Kinder schmieren auf den Wänden,
und ohne Pfann' brät auf dem Herd er!


Das Zimmer sieht fürchterlich aus, oweh,
ich verlang ihm das Doppelte - juchee!
Mit ihm reden will ich nicht,
verständnislos blick ich in sein Gesicht."


Auch im Auto stellt der Araber
im Pinzgau im Sommer die größte Gefahr dar.
Im Rückwärtsgang und ohne Gurt
fährt er mit seinen Kindern furt!


Trägt sein Geld zum nächsten Bauer,
kauft ein Schaf und wir sind sauer.
Schächten darf er bei uns nicht,
pfui Teufel, so ein grober Wicht!


Der soll gefälligst Schweine fressen
wie jeder hier in Österreich!
Was gut genug für Sepp und Hias,
ist gut genug auch für den Scheich!


Oh Abdrakadabra, die Frau'n der Araber!
Was tragen sie unter dem schwarzen Schleier?
Ich weiß es: drei Kandelaber, schwarzes Haar,
fünfzehn Parfums und vier Kilo Eier!


Denn unter der Kuttn ist's gut munkeln,
ihr Gesicht liegt ganz im Dunkeln,
Fürchterlich, die schwarzen Augen!
Dass die sich bei uns sowas trauen?


Das kann nicht sein, dass ihr so seid,
schaut rein in unsren Benimm-Guide!
Ihr findet darin rein und pur
den Kern der abendländischen Kultur:


Anständig essen, aufrecht sitzen,
nicht das Essen im Zimmer erhitzen,
für den Müll auf der Straße müsst ihr büßen,
Freiherr von Knigge lässt herzlich grüßen!


Aber, aber, der Araber,
ist er nicht dein Haberer?
Willst ihm deine Hand nicht geben,
gönnst ihm nicht das schöne Leben?


Urlaub darf der keinen haben,
soll sich daheim im Sand eingraben,
soll mit seinem Geld sich schleichen,
denn wir haben Hofer-Reisen!


Aber, aber, am Araber,
lassen wir kein gutes Haar.
Nächsten Sommer, liebe Zeller,
sperren wir sie in die Keller!
Und nähert sich der Ramadan,
rama dann die Terrassen zam.

Freitag, 8. August 2014

Die Weltreise nach Kaprun

Dass die Gäste aus den Golfstaaten gerne mit dem Auto unterwegs sind, kann man derzeit in und um Zell am See sehr gut beobachten. Das Auto ist dem Araber in Selamsi Nutzding und Status-Symbol zu gleichen Teilen. Die Autovermieter freut's, die vom Verkehr geplagten Zeller weniger. Nichtsdestotrotz: Selamsi-Saprun will erkundet werden, und wo der "Teleferik" nicht hinfährt, da kommt das Auto zum Einsatz - und umgekehrt. Denn der Fußmarsch ist dem arabischen Gast eine Denkunmöglichkeit und ihm von daher schon gar nicht vorschlagbar. Die erstauntesten Blicke auf Erden kann man ernten, wenn man einem Araber ans Herz legt, doch einmal das Auto stehen zu lassen, und die Umgebung per pedes zu erkunden!

Weil man nie genau weiß, wo man sich befindet und wo man eigentlich hin will, ist ist auch das GPS-Gerät entsprechend wichtig. Da Araber kein sehr entspanntes Verhältnis zu Post-Adressen haben, müssen also am besten die entsprechenden Koordinaten her. Der Tourismusverband hat diese mittlerweile ja für jede Sehenswürdigkeit in den Informationsbroschüren angeführt. Doch selbst die nackte Tatsächlichkeit der kalten Koordinaten vermag viele Gäste nicht zu überzeugen. So zum Beispiel einen jungen Herren aus Riad, der, nachdem er die Koordinaten für die Seilbahnstation in Kaprun in sein Navigationsgerät eingegeben hat, wieder ungläubig zur Rezeption kommt und mir das Ding unter die Nase hält. "This right?", fragt er verunsichert. Ich versichere ihm, dass der auf dem Bildschirm angezeigte Ort tatsächlich der heiß ersehnte "Teleferik" ist, der ihn ins ewige Eis bringen soll. "But where teleferik?" - so leicht lässt sich der Herr nicht abspeisen, denn er kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass in diesem engen Tal, das sein Navi ihm digital bestens aufbereitet anzeigt, irgendwo eine Seilbahn sein soll. Ich versichere ihm abermals, dass es die richtige Adresse ist, und er sich ruhig darauf verlassen kann, an dortiger Stelle einen "Teleferik" vorzufinden.

Aber ihn scheint auch die Fahrtzeit zu irritieren, denn obwohl das Navigationsgerät diese korrekt anzeigt, fragt er: "How long drive?" Ich blicke auf das Gerät, deute auf die Zahl und sage: "Sixteen Minutes!" Der Araber schaut auch auf das Display, blickt mich aber an, als hätte ich gerade einen offensichtlichen Blödsinn geredet. "Six-Teen? No sixty?" - "No, six-teen!", betone ich geduldig. Er ist stutzig; nicht nur, dass er mir nicht ganz zu trauen scheint, er traut auch seinem Navigationsgerät nicht. Vielleicht liegt es daran, dass auch dieser Gast eine schier unglaubliche Reisezeit von München nach Zell am See gehabt hat, denn er hatte bei seiner Ankunft behauptet, er wäre 10 Stunden unterwegs gewesen. (Bei seinen undeutlichen Ausführungen war bemerkenswerterweise auch das Wort "Switzerland" gefallen.)

"Sixteen, ha?", fragt er nochmal und blickt mich an, als würde er jeden Moment erwarten, dass das Team von Versteckte Kamera sich endlich zu erkennen gibt. "Yes", sage ich erneut und ich versuche es so versichernd wie nur möglich klingen zu lassen: Es ist ein beruhigendes, leicht gedehntes "Yes", dessen "s" galant nachzischt - aber nicht zu viel, denn jeder Kubikmilimeter Luft, der durch meine Zähne strömt, kann das Misstrauen meines Gastes schon wieder zum Auflodern bringen. Schnell schicke ich noch ein "It's not far!" hinterher, um alle Zweifel entgültig zu zerstreuen.
Er blickt noch einmal auf das Display, die 16 scheint vor seinen Augen einen beschwörenden Tanz aufzuführen. Kurz bevor ich das Gefühl habe, dass er nun glaubt, dass er nun endlich Gewissheit erfährt, mit sich, mir und dem Gerät im Reinen ist, sieht er mir in die Augen wie ein kleines Kind, welches das Ergebnis einer Rechenaufgabe mehr geraten als errechnet hat, und er sagt: "Minutes or hours?"

Sonntag, 27. Juli 2014

Einmal Wien und zurück

Teil 2 der irrwitzigen Erfahrungen mit sonderbaren geographischen Vorstellungen

Ein Freund erzählte mir einmal von einer Zugfahrt von Salzburg nach Wien: Im Waggon befand sich eine arabische Familie, die sich angeregt unterhielt. Nun ist der Zug ohnehin schon ein für arabische Gäste ungewöhnliches Transportmittel. Ich kenne dieVorbehalte, die Araber den öffentlichen Verkehrsmitteln gegenüber haben. Oft erntete ich nach langen Erklärungen über Bushaltestellen und Abfahrtszeiten nur ungläubige Blicke ("Every half hour? Exactly!?") Ist aber der arabische Gast einmal erfolgreich mit dem Bus gefahren, hat er eine regelrechte Freude daran.
Die Familie im Zug von Salzburg nach Wien dürfte noch nicht allzu viel Erfahrung mit dem öffentlichen Verkehr gemacht haben. Jedenfalls hörte besagter Freund immer wieder die Zauberformel "Selamsi-Saprun! Selamsi-Saprun!", und erkannte als aufmerksamer Pinzgauer, dass hier nur Zell am See und Kaprun gemeint sein konnten. Nun wusste er allerdings nicht, ob die Familie von ihren Erlebnissen dort schwärmte, oder aber erst dorthin wollte...

Als die faden Landstriche entlang der Westbahnstrecke beim besten Willen keine Berge zeigen wollten, schien die Familie zunehmend unruhiger zu werden. Berge, Eis und Seen hatte man ihnen versprochen! Doch hier nur Felder, noch mehr Felder und graue Hügelflächen! Wieder hörte man sie angeregt diskutieren, und wieder fiel mehrmals die Formel "Selamsi-Saprun! Selamsi-Saprun!". Also beschloss der mitreisende Pinzgauer, die Gäste nach ihrer gewünschten Destination zu fragen. Tatsächlich antwortete der Vater der Familie: "Selamsi-Saprun!" Nun wusste der Einwohner der beschworenen Region um die Bredouille, in die sich die Familie unwissentlich selbst gebracht hat, und erklärte dem Familienoberhaupt die geographischen Gegebenheiten. Als der arabische Vater ihre missliche Lage vollkommen erfasst zu haben schien, fiel er freilich aus allen Wolken, waren sie doch stundenlang in die gänzlich falsche Richtung gefahren und jetzt schon kurz vor Wien!

Ob und wie die Familie dann noch nach Zell am See gelangte, weiß man nicht. Meistens aber gelangen sie immer hierher, auch wenn der Weg ein beschwerlicher ist. Schon öfter lauschte ich ungläubig den Erzählungen spät angekommener Gäste, die nicht auf direktem Weg nach Zell am See gekommen waren, sondern sich vielmehr in konzentrischen Kreisen ihrem Zielort genähert hatten. Das alte Motto "Ich weiß nicht, wo ich hin will, aber umso schneller bin ich dort" ist in solchen Fällen nur halb richtig. Aber wenn jemand (wie es auch schon geschehen ist) von München nach Zell am See acht Stunden braucht und behauptet, es wäre kein Stau gewesen, dann hat er bestimmt nicht nur eine Sache falsch gemacht...